Neue Studie zu Kinderarmut – Wovon hängt das Risiko ab?

News veröffentlicht am 25. Oktober 2017 von Arbeitslosenselbsthilfe.org

Seit Jahren wird das Phänomen Kinderarmut untersucht und jedes Jahr steigt die Zahl der Betroffenen an. Eine neue Studie zu Kinderarmut von der Bertelsmann-Stiftung bestätigt die Prognosen, die andere Untersuchungen bereits in der Vergangenheit gemacht haben.

Die Risiken für Kinderarmut sind regional sehr unterschiedlich

Die neue Studie zum Thema "Kinderarmut" belegt die Notwendigkeit von wirksamen Maßnahmen
Die neue Studie zum Thema „Kinderarmut“ belegt die Notwendigkeit von wirksamen Maßnahmen

Die gravierenden geografischen Unterschiede in der Kinderarmut, die sich beobachten lassen, sind mit den sozialen Faktoren der betroffenen Region gekoppelt. So ergab die neue Studie zu Kinderarmut, dass besonders Städte in altindustrialisierten Regionen, wie Teile das Saarlands und des Ruhrgebiets, und in Ostdeutschland ein höheres Armutsrisiko für Kinder bergen als andere Regionen.
Der Wohlstand einer Region bestimmt viele Umstände, wie die Ausstattung von Kitas und anderen Faktoren, die der Kinderarmut entgegenwirken können.

Neue Zahlen der Studie zu Kinderarmut zeigen deutlich die regionalen Unterschiede:

  • Durchschnittlich ist jedes sechste Kind in Deutschland, das drei Jahre alt oder jünger ist, von Armut betroffen. Das entspricht 19,7% der deutschen Kinder
  • In ökonomisch starken Regionen, wie Oberbayern, beträgt der Anteil von armen Kindern ca. 10,0%.
  • In Gebieten, die ökonomisch schwächer sind, wie Bremen, liegt der Anteil an Kindern in einer Armutslage bei 40,3%.

Was hat einen entscheidenden Einfluss auf das Armutsrisiko?

Die neue Studie untersuchte Kinderarmut auf ihre Beständigkeit. In einer Serie von Untersuchungen wurden die selben Haushalte bezüglich ihrer Umstände und dem Armutsrisiko befragt.

Die neue Studie zu Kinderarmut zeigt, dass ausgeprägte soziale Fähigkeiten das Armutsrisiko für Kinder reduzieren.
Die neue Studie zu Kinderarmut zeigt, dass ausgeprägte soziale Fähigkeiten das Armutsrisiko für Kinder reduzieren.

Die Ergebnisse sind ernüchternd. Die Erkenntnis, dass Armut vererbt wird, konnte in der Studie statistisch belegt werden. Genauer handelt es sich dabei um die Vererbung der armutsbegünstigenden Faktoren, wie mangelhafte Bildung oder wenig sozialer Kontakt. Die Armutslage, die ein lange andauernde Grundsicherung durch Hartz 4 darstellt, führt im zweiten Schritt zu einer langsameren Entwicklung der Kinder. So wird die Ausbildung des Seh- und Gehörvermögen und dem Zahlen- und Sprachverständnis bei Kleinkindern verlangsamt.

Kinder aus armutsgefährdeten Familien werden häufig gar nicht oder erst spät in einer Kita untergebracht, was sich auch nachteilig auf die Entwicklung sozialer Fähigkeiten auswirken kann. Dadurch ist es wahrscheinlicher, dass finanziell unsichere Lebensumstände auch bei den Kindern zum normalen Lebensalltag werden.

Besondere Erkenntnisse

Im Verlauf der Untersuchung traten Erkenntnisse ans Licht, die zum Teil bestehende Vorurteile entkräften, andere jedoch auch bestätigen konnten.

Beobachtungen zum Umgang mit Internet und TV erbrachten interessante Resultate. So steht die Dauer des Medienkonsums kaum im Zusammenhang mit einen erhöhten Armutsrisiko. Der augenscheinliche Zusammenhang kommt daher, dass bestimmte Faktoren bei den Eltern sowohl die Dauer des Medienkonsums und auch die Gefahr für Armut beim Kind erhöhen.

Ähnlich liegt es bei den Beobachtungen bezüglich des Alleinerziehenden-Status. Während oftmals angenommen wird, dass die Kinder alleinerziehender Eltern einem höheren Risiko ausgesetzt sind, zeigte die neue Studie, dass Kinderarmut nicht direkt davon abhängt, ob das Kind von einem oder von beiden Elternteilen zu gleichen Teilen großgezogen wird. Dieser Eindruck entsteht, weil Alleinerziehung trotz beispielsweise guter Bildung finanzielle Armut bedingt und die wiederum vererbt werden kann.

Einen wesentlichen Einfluss auf die Chancen der Kinder haben Faktoren wie:

  • Sprachkompetenz
  • Bildung der Eltern
  • andauernde finanzielle Armut
  • Mitgliedschaft in einem Sportverein
  • Geschlecht
  • Zeitpunkt des Eintritts in die Kita

Es wurde deutlich, dass bei den meisten armen Kindern Armut ein anhaltender Zustand ist und ein Kind nur selten später im Leben aus einer unsicheren in eine sichere finanzielle Lage gerät.

Fortgesetzter Armut entgegenwirken

Die neue Studie zu Kinderarmut besagt, dass Sport oder die Mitgliedschaft in einem Sportvereindas Risiko der Armut verringert.
Die neue Studie zu Kinderarmut besagt, dass Sport oder die Mitgliedschaft in einem Sportvereindas Risiko der Armut verringert.

Forscher empfehlen aber beispielsweise einen zeitigen Kita-Besuch, eine Anpassung der Kita-Beiträge für einkommensschwächere Familien und eine bessere Ausstattung der Einrichtungen. Dadurch, dass Leistungen wie das Kindergeld auf den Regelsatz angerechnet werden, ist natürlich weniger für die Versorgung des Kindes übrig.

Entsprechend hinderlich ist da die Spaltung entlang des Einkommens, die sich auch zwischen den Kitas vollzieht. Ein gemischtes soziales Umfeld, aus einkommensstarken und –schwachen Familien, kann die Chancen auf ein erfolgreiches Leben für das Kind stark erhöhen. Da Kitas aber nur einen begrenzten Einzugsbereich haben, sind sie oftmals ein Spiegel ihres Umfeldes. Dadurch kommen Kinder aus sozial starken Familien nur selten mit Kindern aus sozial schwachen Familien in Kontakt und es kann zu sozialer Abgrenzung kommen. Diese Barrieren können, während das Kind aufwächst verfestigt und die Ablehnung der Gegenseite begünstigt werden.

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